Google Analytics & Co.: Anonymisierung von IP-Adressen
Der “Düsseldorfer Kreis” der Datenschutzaufsichtsbehörden für den nicht-öffentlichen Bereich hat sich auf seiner letzten Sitzung in Stralsund mit einem (unverbindlichen) Beschluss zu Webanalysediensten (pdf) positioniert. Auf den Inhalt gehen Artikel bei heise und Daten-Speicherung.de detailliert ein; mich hat besonders die klare Stellungnahme zur Notwendigkeit verkürzter IP-Adressen interessiert:
Die IP-Adresse ist kein Pseudonym im Sinne des Telemediengesetzes.
[...]
Die Analyse des Nutzungsverhaltens unter Verwendung vollständiger IPAdressen (einschließlich einer Geolokalisierung) ist aufgrund der Personenbeziehbarkeit dieser Daten daher nur mit bewusster, eindeutiger Einwilligung zulässig. Liegt eine solche Einwilligung nicht vor, ist die IP-Adresse vor jeglicher Auswertung so zu kürzen, dass eine Personenbeziehbarkeit ausgeschlossen ist.
Damit liege ich mit meinen eigenen Einstellungen bezüglich Provider und Wordpress-Konfiguration auf der sicheren Seite (das Piwik-Experiment dauert noch an).
Den Hinweis auf einen interessanten – und noch nicht so verbreiteten – Artikel zur vorsichtigen Annäherung von Google an deutsche Befindlichkeiten verdanke ich @seomicha auf twitter. Die dort aufgeworfene Frage wird uns wohl weiter beschäftigen: “Anonymisiert Google (demnächst) IP-Adressen?”. Ich stimme mit dem Verfasser überein: Was teilweise sehr emotional diskutiert wird, kann mit etwas gutem Willen (fast) ohne Gesichts- und Geschäftsverlust aus der Welt geschafft werden.

Eine Frage… sind die IP-Adressen wirklich eindeutig einer Person zuzuordnen? Und – wird da nicht übertrieben mit manchen Sachen. Im Grunde.. bin ich mit dem Impressum auf meinem Blog sowieso eindeutig zu identifizieren. Okay, man kann also nachvollziehen, dass ich auf einem Blog zum Thema Datenschutz einen Kommentar hinterlasse – und?
Die Literaturn zum Thema “IP-Adressen und Personenbezug” füllt wahrscheinlich Bände (450.000 Google-Treffer zu “ip-adressen personenbezogene Daten”). Mich stört persönlich bei Webanalysediensten die mögliche Profilbildung über mehrere Webseiten hinweg, oft noch in Verbindung mit authentifizierenden Cookies oder ähnlichem. Als Nerd kann ich mich dagegen schützen – das Recht sollte aber auch den DAU nicht benachteiligen.
Warum überhaupt so ein Theater um die Anonymität?
Ich habe persönlich auch keine Lust, ständig anonym durchs Leben zu laufen. An vielen Stellen möchte ich mit meiner Meinung und meiner Person wiedererkennbar und identifizierbar sein. Aber es gibt Gelegenheiten, wo ich die Anonymität für mich in Anspruch nehmen möchte. An anderen Orten und zu anderen Zeiten ist/war das noch viel wichtiger bzw. verständlicher, z.B. in Dikataturen oder in besonders heiklen Lebensbereichen oder einfach nur so. Das muss – meiner Meinung nach – möglich sein und bleiben.
Datenschutz ist grundsätzlich für den Betroffenen keine Pflicht, sondern eine Option. Diese Option muss die “verantwortliche Stelle” schaffen. Die Bereitstellung anonymer Nutzungsmöglichkeiten macht in meinen Augen Sinn.
Bereitstellung anonymer Nutzungsmöglichkeiten… einverstanden. Ich betrachte das einmal als Blogger – wenn ich anonyme Kommentare zulasse, habe ich keine Möglichkeit, herauszufinden, wer da als ‘Anonym’ irgend etwas schreibt. Die Personen identifizieren, die irgend etwas lesen – das kann ich nicht. So gesehen stellt sich für mich die Frage, ob das nicht schon anonym genug ist… wer will, kann sich namentlich zeigen oder auch nicht. Ganz praktisch – ist es sinnvoll, notwendig, dafür Sorge zu tragen, dass meine Blogbesucher absolut anonym bleiben können?
Als Blogger gehören wir in diesem Punkt sowieso zu den “Guten”: Ich selbst habe kaum Möglichkeiten (und noch weniger Gründe), meine Leser gegen ihren Willen oder hinter ihrem Rücken zu identifizieren. Aber: Ich liefere der “Datensammelstelle” (ob nun Google oder …) ein weiteres Puzzleteil zur Profilbildung. Die Summe, das (mögliche!) Gesamtbild macht mir Sorge.
Es ist auch nicht praktikabel, bestimmten “ungefährlichen” Seiten die Speicherung zu erlauben, anderen “sensiblen” zu verbieten. Welches Aschenputtel kann das sortieren & kontrollieren?
In diesem größeren Zusammenhang (Blick über den Tellerrand) halte ich Anonymität auch für Blogs für sinnvoll und notwendig, zumal es technisch eher eine Frage der Bequemlichkeit als des Aufwandes ist. Auch mit verkürzten IP-Adressen kann ich Geolocation betreiben. Webhoster und Analysetools müssen doch deshalb ihre Geschäftsmodelle nicht über Bord werfen, sondern nur an zwei, drei Einstellungen drehen.
Als Seitenbetreiber muss ich mir klar werden, was ich über meine Besucher erfahren möchte; ich muss mich (und meine Techniken) auf diese Informationen beschränken und den Besuchern das Ganze transparent machen.
Wieder der (plumpe) Hinweis auf die Übersicht von mir zur Frage, ob die IP personenbezogen ist:
http://www.ip-adressen-recht.de/personenbezogen